Chronik des Spielmannszuges Blau-Weiß Avenwedde
Im Avenwedde der 1920er Jahre kamen drei begabte Jungmänner überein, einen Spielmannszug zu gründen. Unterstützung fanden sie im damaligen Präses, Vikar Engemann, der sog1eich zwei Trommeln und vier Querflöten kaufte. Der spätere Pater Johannes Westerbarkey erteilte bereitwillig den ersten Notenunterricht. Auf der väterlichen Besitzung „Barkeys Hof“ wurden die Übungsstunden abgehalten.
Der erste Auftritt beim Sommerfest des Jünglingsvereins erregte großes Aufsehen, als sich Georg Venjakob mit seiner Trommel sowie Hans Venjakob und Leo Barkey mit ihren Flöten an die Spitze des Festumzuges auf dem Weg zum Festplatz in Lükings Busch setzten. Bald darauf fanden im Sommer die Proben auf dem Stümpelkamp (Helmers Hof) und im Winter im Klassenzimmer der „Hoffmeister-Schule“ statt. Es kamen die Musikfreunde Otto Plassmann, Alois und Clemens Wittenstein, Anton Thiesbrummel, Hermann Mügge, Fritz Wittenbrink, Konrad Flötotto, Konrad Wittenbrink und Josef Johannhörster hinzu. Die Probenleitung übernahm Josef Johannhörster, der über die nötigen Kenntnisse durch seine Arbeit in einer Militärkapelle verfügte.
Angesichts der bestehenden Inflation bereitete die Beschaffung neuer Musikinstrumente besondere Schwierigkeiten. So zogen die Brüder Alois und Clemens Wittenstein beherzt von Bauernhof zu Bauernhof und sammelten Korn- und der beabsichtigte Tausch klappte: Im Musikhaus Schweizer gab es Instrumente gegen gutes Getreide.
Zum ersten Mal standen die Musiker dann 1925 in der Gütersloher Pankratius-Gemeinde beim großen Turnfest der DJK vor großer Öffentlichkeit, wo die DJK Avenwedde mit ihrem eigenen Spielmannszug erschien.
In den Jahren des zweiten Weltkrieges war Zwangspause für den Musikzug.
1949, als der Schrecken des Krieges, das Elend der Gefangenschaft, der Mangel an Nahrung allmählich einem normalen Alltag wichen, wagte die St. Sebastianus Schützenbruderschaft trotz vieler Bedenken wieder ein Schützenfest. Nachdem der Vorstand an Otto Plaßmann mit der Bitte, mit seinen Musikfreunden den Festumzug zu begleiten, herangetreten war, gab es im Hause Michelswirth die erste Zusammenkunft. Alois Tigges, Konrad Barkey, Hermann und Wilhelm Günnewig, Hubert Vollmer, Josef Fleiter, Otto Pickert und Otto Plaßmann kramten die Instrumente wieder aus den Ecken und die Proben konnten beginnen. Noch vor dem ersten Auftritt traten Josef Lange, Reinhold Tigges und Anton Großestrangmann dem Verein bei. Unvergessen blieben den Beteiligten die Übungsstunden in der Backstube der Gaststätte Stickling (Waldklause), dem Vereinslokal des Spielmannszuges, wo heute noch regelmäßig die Vorstandssitzungen oder diverse Feierlichkeiten stattfinden. Von ca. 1965 bis 1975 stellte Otto Plaßmann den Musikern seine Werkstatt für die Proben zur Verfügung.
Seit 1975 proben die Spielleute in der heutigen Aula der Kapellenschule in Avenwedde.
Um 1960 sorgten berufliche Überlastung, Überalterung und fehlender Nachwuchs für echte Vereinsmüdigkeit. Am 12. März zeigte Otto Plaßmann schonungslos die Verfallserscheinungen auf. Dies weckte wieder neue Energien, zumal niemand mit ansehen wollte, daß eine lang bewährte Freundschaft lediglich mangels Interesse untergehen sollte. Zur Entlastung des Tambourmajors Otto Plaßmann wählte man Alois Tigges zum 1. Vorsitzenden. Durch eifrige Werbung schlossen sich neue junge Männer und auch Mädchen dem Spielmannszug an, die alten dunkelblauen Uniformen wurden durch neue, leuchtend blaue und jugendlich geschnittene ersetzt. Auf Vorschlag von Reinhold Tigges erhielt der Verein nun den Namen „Spielmannszug Blau-Weiß Avenwedde“.
Da auf Festen und Freundschaftstreffen immer wieder nach dem Herkunftsort der Spielergruppe gefragt wurde, wurden im Jahre 1973 zunächst eine Standarte in den Vereinsfarben und mit Aufdruck des Heimatortes sowie drei Schwenkfahnen erworben. Drei junge Männer erlernten die dazu nötigen Geschicke, so daß man mit eigenen Fahnenschwenkern auftreten konnte. Hans Remmert übernahm als Jugendwart – neben Otto Plaßmann – die Ausbildung der jungen Flötisten, die er noch lange unterstützte und förderte. Wochenendlehrgänge und später auch jährliche Probewochenenden vervollständigen seitdem das Ausbildungsprogramm und ermöglichten schon damals die Teilnahme an Wertungsspielen.
1988 trat der Spielmannszug dem „Volksmusikerbund NRW, Landesverband Westfalen- Lippe, Kreisverband Gütersloh e.V.“ bei, welcher qualifizierte Weiterbildungen in D- und C- Lehrgängen mit Abschlussprüfungen als Fortbildungsprogramm für die Flötisten und Trommler anbietet.
Zu einem wahren Volksfest wurde 1975 die Feier zum 50jährigen Vereinsbestehen, welche mit geladenen Schützenvereinen, 250 Musikern und Avenwedder Bürgern auf dem Festplatz der damaligen Brennerei Altewischer- Schulte abgehalten wurde.
Den 60. Geburtstag nahm im Juni 1965 der Verein zum Anlass, auf dem Festplatz der St. Sebastianus Schützenbruderschaft zusammen mit befreundeten Musikzügen ein Frühkonzert zu geben, bevor man sich nachmittags mit Gastvereinen und Musikbegeisterten an der Gaststätte Bettenworth-Wormstall zum Festmarsch durch die Gemeinde traf.
1996 wirkte der Spielmannszug aktiv beim Ortsjubiläum „800 Jahre Avenwedde“ mit. Im April des Jahres begeisterte ein gemeinsames Konzert aller Avenwedder musiktreibenden Vereine unter dem Motto „Avenwedde stellt sich musikalisch vor“ das Gütersloher Publikum. Beim Festumzug, der von sintflutartigen Regenfällen begleitet wurde, ließen sich – wie alle anderen Akteure – die Spielleute die gute Laune nicht verderben. Abschließend zum Avenwedder Jubiläumsjahr fand ein großer Heimatabend statt, bei welchem die Musiker mit der Königswache der St. Hubertus Schützenbruderschaft gemeinsam einen Programmpunkt vorbereiteten.
Den 75. Geburtstag begingen die „Blau-Weißen“ im März 2000 mit einem Festakt im heutigen Musikzentrum der Stiftung Altewischer, zu dem viele befreundete Vereine, Schützenbruderschaften und Musikzüge eingeladen waren. Es folgte im April ein Konzert im Hause Michelswirth. Zu diesem Anlass hatte sich das für die musikalische Leitung zuständige Team Andreas Mügge, Hans Remmert und Roland Heitmann sehr erfolgreich bemüht, für die Gäste ein attraktives Programm mit nicht alltäglicher Spielmannsmusik auf die Beine zu stellen. Der Spielmannszug bot unter Hans Remmerts Stabführung sein Können in teils ungewöhnlichen Rhythmen mit bis zu sechsstimmiger Flötenbesetzung. Für die jungen Leute wurde im Mai ein großer Deelenball auf dem Hof Westerfelhaus organisiert. Das Jubiläumsjahr klang dann schließlich im August mit dem großen, bunten Festumzug aus, der auf dem Schützenplatz der St. Sebastianus Schützenbruderschaft startete und quer durch Avenwedde zum Hof Hagenlüke führte, auf dem gerade der zweijährliche Bauernmarkt stattfand. Hier sorgten zum Abschluß die teilgenommenen Musikkapellen in Kleinkonzerten für die musikalische Unterhaltung.
Das neue Jahrtausend begann mit einigen Veränderungen: eine neues „Outfit“ sollte her, die Uniform wurde mit neuen Jacken und schwarzen Hosen für weibliche und männliche Mitglieder (anstelle der weißen Faltenröcke der Frauen und Mädchen) aufgepeppt. Vervollständigt wurde das äußere Erscheinungsbild in diesem Jahr mit der neuen Kopfbedeckung. Auch in der Vereinsarbeit tat sich in den letzten Jahren einiges: Veränderte Konzepte in der Ausbildung und Werbung neuer Mitglieder sollen neuen Schwung in die Nachwuchsarbeit im Spielmannszug bringen.
Im Jahre 2008 gab es auch einen Wechsel in der musikalischen Leitung: Nach 15 Jahren gab Andreas Mügge den Tambourstab an Tobias Niebur ab, seine Stellvertreterin ist Christina Niebur. Deren Arbeit mit den jungen Musikern ist geprägt von Dynamik, ansteckender Motivation und neuen Ideen.
Derzeit zählt der Verein rund 30 aktive Mitglieder, dazu kommen einige, die sich in der Ausbildung befinden. Zahlreiche passive und fördernde Mitglieder unterstützen den Klangkörper, allen voran Ehrentambour Hans Remmert, der sich zwar nach langjährigem Einsatz aus dem aktiven Vereinsgeschehen zurückgezogen, aber jederzeit ein offenes Ohr für die Musiker hat. Denn eine Reihe junger Menschen ist bestrebt, in den Proben ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erweitern und zu vertiefen, um mit ihrer Liebe zur Musik und Geselligkeit und der Mitarbeit an einem intakten Vereinsleben Ziele zu setzen und zu erreichen. Der Verein begnügt sich nicht damit, sich auf alt bewährtem auszuruhen, sondern will neben der Pflege der musikalischen Tradition weiterhin mit immer wieder neue Impulsen und Ideen die Jugendarbeit fördern.
Vorsitzende des Spielmannszuges Blau-Weiß Avenwedde:
- Josef Johannhörster
- Hans Venjakob
- Otto Plaßmann
- Alois Tigges
- Dieter Magerkohl
- Klaus Beulig
- Jürgen Dreisilker
- Burkard Sagemüller
- Hans Remmert
- Angela Tigges (seit 1999)
Tambourmajore des Spielmannszuges:
- Josef Johannhörster
- Hans Venjakob
- Otto Plaßmann
- Hans Remmert
- Ulrich Humann
- Andreas Mügge
- Tobias Niebur (seit 2008)